Kurz gesagt: Es gibt eine Reihe etablierter Verfahren, um Schimmel zu erfassen. Jedes hat seine Stärken – und Grenzen. Genau deshalb erlaubt kein einzelnes Messgerät für sich ein belastbares Urteil. Dieser Überblick zeigt, was die Verfahren leisten, und ist bewusst keine Anleitung zur Eigendiagnose.

Anzeichen: Woran sich Schimmel zeigt

Sichtbarer Befall

Sichtbares Wachstum an Wänden, Fugen, hinter Möbeln oder an Wärmebrücken ist der eindeutigste Nachweis. Ist Schimmel sichtbar, ist laut UBA-Leitfaden eine Messung zum „Ob“ meist gar nicht nötig – der Befall sollte fachgerecht beseitigt werden.

Verdeckter Befall

Schimmel wächst häufig im Verborgenen – in Wandaufbauten, hinter Vorsatzschalen, unter Estrich oder in Hohlräumen. Verdeckter Befall ist ein Hauptgrund, warum eine fachkundige Untersuchung nötig ist.

Geruch / MVOC

Ein muffig-erdiger Geruch durch mikrobielle Stoffwechselprodukte (MVOC) kann auf verdeckten Befall hinweisen – ein ernstzunehmendes Indiz, aber kein Beweis für Ort und Ausmaß.

Feuchtespuren

Feuchteränder, Stockflecken, abplatzende Farbe und weiße Salzausblühungen deuten auf ein Feuchteproblem hin. Für Wachstum genügt bereits eine Oberflächenfeuchte von etwa 70–80 % – sichtbares Wasser muss nicht vorliegen.

Erste Selbsteinschätzung: die Schimmelrisiko-Ampel

Bevor Sie Verfahren und Grenzen im Detail lesen: Ein paar Fragen zu Feuchtequelle, Lüftungsverhalten und sichtbaren Anzeichen geben eine erste, grobe Orientierung – keine Diagnose.

Schimmelrisiko-Check

Fünf kurze Fragen für eine erste Orientierung – keine Diagnose.

1. Gibt es eine bekannte Feuchtequelle (Wasserschaden, undichte Stelle, Neubaufeuchte, hohe Luftfeuchte)?

2. Sind sichtbare Flecken oder Beläge vorhanden?

3. Nehmen Sie einen muffig-erdigen Geruch wahr?

4. Wie wird gelüftet und geheizt?

5. Welcher Bereich ist betroffen?

Dieser Check ist eine grobe Orientierung nach dem Vorsorgegedanken des UBA-Schimmelleitfadens – kein Messergebnis und keine Diagnose. Sichtbarer Schimmel sollte unabhängig vom Ergebnis fachgerecht bewertet und beseitigt werden.

Messverfahren im Überblick

Fachleute kombinieren je nach Fragestellung mehrere der folgenden Verfahren. Wichtig ist zu verstehen, was jedes kann – und was nicht.

Luftkeimsammlung (KBE)

Luftgetragene Sporen werden angezüchtet, Ergebnis in koloniebildenden Einheiten pro m³ (KBE/m³). Erlaubt eine Art­bestimmung. Grenze: erfasst nur lebensfähige, kultivierbare Pilze – anspruchsvolle Arten werden sonst unterschätzt.

Partikel-/Sporenmessung

Sporen werden direkt gezählt (Gesamtsporen), auch abgestorbene. Ergänzt die Kultivierung. Grenze: Artbestimmung nur eingeschränkt möglich.

Materialproben

Proben aus Tapete, Putz, Dämmstoff oder Holz. Unterscheidet echten Befall von bloßer Oberflächen­verunreinigung und weist Wachstum im Material nach.

Oberflächen- & Klebefilmproben

Klebefilm-Abrisse und Abklatschproben zeigen mikroskopisch, ob aktives Wachstum vorliegt, bzw. dienen der Anzucht.

Feuchte, Oberflächentemperatur, Thermografie

Da Feuchte der auslösende Faktor ist, sind Materialfeuchte- und Oberflächentemperatur­messung zentral. Thermografie macht Temperatur­unterschiede flächig sichtbar – ein orientierendes, indirektes Verfahren, das die direkte Feuchtemessung nicht ersetzt.

MVOC-Messung

Bestimmung mikrobieller Geruchsstoffe in der Luft. Aussagekraft begrenzt: Nach UBA-Leitfaden hat sich die MVOC-Messung in der Innenraumluft noch nicht allgemein bewährt; Störquellen überlagern die Ergebnisse. Nur ergänzend sinnvoll.

Was der UBA-Leitfaden zur Bewertung sagt

Bei Luftmessungen ist parallel eine Vergleichsmessung in der Außenluft (oder einem unauffälligen Referenzraum) durchzuführen. Nur so lässt sich unterscheiden, ob eine erhöhte Konzentration aus einer Innenraumquelle stammt oder lediglich die – stark schwankende – Außenluft widerspiegelt. Für Schimmel gibt es zudem keine allgemeingültigen gesundheitlichen Grenzwerte; Messwerte sind nie isoliert zu lesen, sondern immer im Zusammenhang von Befund, Ursache und Ausmaß.

ℹ️ Orientierungswerte sind keine Grenzwerte

Sogenannte Orientierungswerte (etwa der AGÖF) sind statistische Orientierungshilfen – sie zeigen an, ab wann ein Wert auffällig ist und näher betrachtet werden sollte. Sie sind keine rechtlich verbindlichen Schwellen. Die AGÖF-Orientierungswerte betreffen dabei VOC/MVOC und Hausstaub; eine eigene AGÖF-Wertereihe für luftgetragene Schimmelsporen gibt es in dieser Form nicht.

Warum eine beweissichere, fachkundige Bewertung nötig ist

Ein erheblicher Teil des Schimmels ist nicht sichtbar; ihn zu lokalisieren erfordert gezielte, kombinierte Verfahren statt eines einzelnen Geräts. Ohne Klärung der Feuchteursache kehrt der Befall nach jeder Reinigung zurück. Und erst die Bestimmung von Fläche, Tiefe und betroffenen Bauteilen erlaubt ein angemessenes, verhältnismäßiges Vorgehen. Eine belastbare, beweissichere und nachvollziehbare Beurteilung entsteht deshalb erst aus der fachkundigen Zusammenschau von Ortsbefund, Bauphysik und geeigneter Probenahme.

Warum eine Ferndiagnose nicht ausreicht

Jedes Verfahren hat Grenzen: Kultivierung erfasst nur Lebensfähiges, MVOC ist unspezifisch, Thermografie ist indirekt, Luftmessungen brauchen den Außenvergleich. Erst die fachkundige Kombination vor Ort – mit Messtechnik und Probenahme – macht Ursache und Ausmaß beweissicher fassbar. Aus der Ferne geht das nicht.

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Häufige Fragen

Kann ich Schimmel mit einem Test aus dem Baumarkt selbst messen?

Solche Tests geben bestenfalls einen groben Anhaltspunkt. Sie erfassen meist nur kultivierbare Sporen, liefern keinen Außenvergleich und keine Ursachenklärung. Eine belastbare Bewertung entsteht erst aus der fachkundigen Kombination von Ortsbefund, Feuchtemessung und geeigneter Probenahme.

Warum wird bei einer Luftmessung auch draußen gemessen?

Weil ein Teil der Sporen in der Innenraumluft normalerweise aus der Außenluft stammt. Erst der Vergleich zwischen innen und außen zeigt, ob eine erhöhte Konzentration auf eine Innenraumquelle hindeutet oder nur die schwankende Außenluft widerspiegelt.

Gibt es einen Grenzwert, ab dem Schimmel „gefährlich" ist?

Nein. Für Schimmel in Innenräumen gibt es keine gesundheitsbezogenen Grenzwerte. Messwerte werden immer im Zusammenhang von Befund, Ursache und Ausmaß bewertet. Orientierungswerte sind statistische Hilfen, keine verbindlichen Schwellen.

Was bringt eine Thermografie?

Sie macht Temperaturunterschiede an Oberflächen flächig sichtbar und hilft, Wärmebrücken und mögliche Kondensationszonen aufzuspüren. Sie ist ein orientierendes, indirektes Verfahren und ersetzt die direkte Feuchtemessung nicht.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Umweltbundesamt (UBA): „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“. 2017, aktualisierte Fassung 2024.
  2. AGÖF – Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute: AGÖF-Orientierungswerte (VOC/MVOC 2013; Hausstaub 2004/2007).
  3. Robert-Koch-Institut (RKI) / ALAB Berlin: Feldstudie zur Aussagekraft von MVOC (2003); RKI-Bewertung „Schimmelpilzbelastung in Innenräumen“, Bundesgesundheitsblatt 2007.

Es gelten jeweils die aktuellen Fassungen der genannten Quellen. Gesundheitliche Aussagen dienen der Einordnung und ersetzen keine medizinische Beratung.