Für die Erfassung von Schimmel gibt es mehrere etablierte Verfahren. Keines liefert für sich allein ein vollständiges Bild – ihre Stärke liegt in der fachkundigen Kombination. Diese Seite erklärt die Verfahren im Detail und ordnet ihre Aussagekraft ein.

Messung der Materialfeuchte an einer Wand mit dunklem Schimmelbefall mit einem Feuchtemessgerät
Feuchtemessung direkt am Schadensbereich: Die Materialfeuchte ist ein zentraler Parameter, um Ursache und Ausmaß eines Befalls zu beurteilen.

Luftgetragene Verfahren

Luftkeimsammlung (KBE)

Sporen werden auf Nährböden gesammelt und angezüchtet; Ergebnis in KBE/m³. Stärke: erlaubt die Bestimmung von Gattung/Art. Grenze: erfasst nur lebensfähige, kultivierbare Pilze – anspruchsvolle Arten (z. B. Stachybotrys) werden ohne Spezialmedien unterschätzt.

Partikel-/Sporenmessung

Sporen werden direkt gesammelt und mikroskopisch gezählt (Gesamtsporen). Stärke: erfasst auch abgestorbene Sporen. Grenze: Artbestimmung nur eingeschränkt möglich. Ergänzt die Kultivierung.

Für beide luftgetragenen Verfahren gilt: Es ist zeitgleich die Außenluft (oder ein unauffälliger Referenzraum) mitzumessen. Nur der Innen-Außen-Vergleich erlaubt eine belastbare Aussage.

Material- und Oberflächenverfahren

Materialproben

Proben aus Tapete, Putz, Dämmstoff oder Holz. Unterscheiden echten Befall von bloßer Oberflächenverunreinigung und weisen Wachstum im Material nach.

Klebefilm- & Abklatschproben

Klebefilm-Abrisse zeigen mikroskopisch schnell, ob aktives Wachstum (Myzel, Sporenträger) vorliegt; Abklatschproben dienen der kulturellen Anzucht.

Bauphysikalische Verfahren

Feuchte- & Oberflächentemperatur

Da Feuchte der auslösende Faktor ist, sind Materialfeuchte- und Oberflächentemperaturmessung zentral, um Wärmebrücken und Kondensationsrisiken zu erkennen.

Thermografie

Macht Temperaturunterschiede flächig sichtbar und hilft, Wärmebrücken aufzuspüren. Ein orientierendes, indirektes Verfahren – es ersetzt die direkte Feuchtemessung nicht.

MVOC-Messung – mit Vorsicht

Die Bestimmung mikrobieller Geruchsstoffe (MVOC) in der Luft soll verdeckten Befall aufspüren. Ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt: Nach dem UBA-Leitfaden hat sie sich in der Innenraumluft noch nicht allgemein bewährt, und Störquellen (etwa Rauchen oder andere Emissionen) überlagern die Ergebnisse. MVOC-Messungen sind deshalb nur ergänzend sinnvoll.

ℹ️ Orientierungswerte richtig verstehen

Orientierungswerte (etwa der AGÖF) sind statistische Hilfen – sie zeigen an, ab wann ein Wert auffällig ist, sind aber keine rechtlich verbindlichen Grenzwerte. Sie betreffen VOC/MVOC und Hausstaub; eine eigene AGÖF-Wertereihe für luftgetragene Schimmelsporen gibt es in dieser Form nicht. Für Schimmel existieren generell keine gesundheitsbezogenen Grenzwerte.

Orientierung: Welche Messung passt zu meinem Fall?

Drei kurze Fragen geben einen ersten Eindruck, welche Verfahren in Ihrer Situation typischerweise infrage kommen. Die verbindliche Auswahl trifft der Sachverständige vor Ort.

Welche Messung passt zu meinem Fall?

Grobe Orientierung, welche Verfahren typischerweise infrage kommen – keine Festlegung.

1. Was liegt bei Ihnen vor?

2. Wo ungefähr?

3. Was ist Ihnen am wichtigsten?

Dieser Assistent gibt eine grobe, unverbindliche Orientierung nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts – er ersetzt keine Untersuchung vor Ort und ist kein Gutachten. Welche Verfahren im konkreten Fall sinnvoll und ausreichend sind, entscheidet die fachkundige Beurteilung am Objekt.

Warum eine Ferndiagnose nicht ausreicht

Jedes Verfahren hat blinde Flecken. Welche Kombination im konkreten Fall sinnvoll ist und wie die Ergebnisse im Zusammenhang von Befund, Ursache und Ausmaß zu lesen sind, entscheidet fachliche Erfahrung vor Ort – die Grundlage für eine beweissichere, nachvollziehbare Bewertung.

Die richtige Messung für Ihren Fall

Wir wählen die passenden Verfahren und bewerten beweissicher. Für Hannover, Niedersachsen, Bremen und Hamburg.

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Häufige Fragen

Welche Messung ist die beste?

Es gibt nicht „die eine“ beste Messung. Luftmessungen (mit Außenvergleich), Material- und Oberflächenproben sowie Feuchte- und Temperaturmessung beantworten jeweils andere Fragen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab und wird fachkundig festgelegt.

Reicht eine Luftmessung allein?

Meist nicht. Eine Luftmessung erfasst luftgetragene Sporen und braucht den Außenvergleich, sagt aber wenig über Ort und Ausmaß eines Befalls im Material. Erst die Kombination mit Ortsbefund und geeigneter Probenahme ergibt ein belastbares Bild.

Sind Orientierungswerte verbindliche Grenzwerte?

Nein. Orientierungswerte sind statistische Hilfen zur Einordnung der Auffälligkeit eines Messwerts. Für Schimmel gibt es keine gesundheitsbezogenen Grenzwerte; die Bewertung erfolgt immer im Zusammenhang von Befund, Ursache und Ausmaß.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Umweltbundesamt (UBA): „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“. 2017, aktualisierte Fassung 2024.
  2. AGÖF – Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute: AGÖF-Orientierungswerte (VOC/MVOC 2013; Hausstaub 2004/2007).
  3. Robert-Koch-Institut (RKI) / ALAB Berlin: Feldstudie zur MVOC-Aussagekraft (2003); RKI, Bundesgesundheitsblatt 2007.

Es gelten jeweils die aktuellen Fassungen der genannten Quellen. Gesundheitliche Aussagen dienen der Einordnung und ersetzen keine medizinische Beratung.