Kurz gesagt: „Schimmel“ umfasst sehr viele Gattungen. Für die Praxis ist wichtig: Welche Gattung vorliegt, lässt sich nur im Labor sicher bestimmen – nicht an Farbe oder Aussehen. Und: Ob saniert werden muss, hängt nicht von der Art ab. Trotzdem lohnt der Blick auf die häufigsten Gattungen, denn manche sind verlässliche Anzeiger für einen echten Feuchteschaden.

Warum die Art wichtig ist – und warum sie am Sanierungsbedarf nichts ändert

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts stellt klar: Schimmelwachstum im Innenraum ist ein hygienisches Problem und sollte nicht hingenommen werden – ein vermehrter Befall ist zu sanieren, ohne dass zuvor Art oder Menge exakt bestimmt werden müssten. Auch die Weltgesundheitsorganisation behandelt die Feuchtigkeit selbst als Risikoindikator, weil sich die für Gesundheitseffekte verantwortlichen Einzelarten in der Praxis nicht sicher benennen lassen. Die Sanierung folgt also dem Vorsorgeprinzip, nicht einer Prognose je Art.

Für die fachliche Bewertung kommt der Artenzusammensetzung nach UBA dennoch eine größere Bedeutung zu als der bloßen Gesamtkonzentration. Einzelne Arten mit besonderer gesundheitlicher Bedeutung – ausdrücklich genannt sind Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus und Stachybotrys chartarum – führen bei der Materialbewertung zu einer Höherstufung. Daneben definiert der Leitfaden sogenannte Feuchteindikatoren: Arten, deren Fund stark für einen Bauschaden mit längerer Durchfeuchtung spricht.

🎨 Farbe ≠ Art

Sehr unterschiedliche Gattungen – etwa Cladosporium, dunkle Aspergillus-Arten, Stachybotrys, Aureobasidium oder Ulocladium – erscheinen alle als dunkle „Schwärzepilze“. Eine sichere Zuordnung gelingt nur mikroskopisch und kulturell im Labor. Mehr dazu auf der Seite Schimmel-Farben und was sie bedeuten.

Die häufigsten Gattungen im Überblick

Aspergillus

Vorkommen: ubiquitärer Bodenpilz, regelmäßig in geringer Zahl in der Außenluft; gelangt u. a. über Bau-/Abrissarbeiten hinein, bevorzugt in den Wintermonaten.

Feuchtequelle: A. versicolor gilt als Indikator für Wanddurchfeuchtung.

Gesundheit: A. fumigatus kann bei stark immungeschwächten Personen Infektionen (Aspergillose) auslösen und ist Hauptauslöser der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose. UBA stuft A. fumigatus und A. flavus als besonders kritisch ein.

Penicillium

Vorkommen: innenraumrelevant, dominiert auf verderbenden Lebensmitteln, Abfällen, Bioabfall; wie Aspergillus bevorzugt im Winter.

Erscheinung: häufig grünlich-blaugrün, pudrig – kein sicheres Bestimmungsmerkmal.

Gesundheit: Sporen wirken allergen; Sensibilisierungen in der Bevölkerung liegen im niedrigen Prozentbereich.

Cladosporium

Vorkommen: weltweit häufigster Außenluftpilz, ganzjährig, Maximum im Sommer; hohe Konzentrationen an Biotonne, Kompost, Blumenerde, feuchtem Laub. Innen auf feuchten Oberflächen (Kondensat).

Erscheinung: „Schwärzepilz“, olivgrün-braun bis schwarz.

Gesundheit: Zusammenhang mit saisonaler allergischer Rhinitis; niedrige Sensibilisierungsraten.

Alternaria

Vorkommen: vegetationsassoziierter Außenluftpilz, ganzjährig mit Sommermaximum, oft mit Gräserpollen.

Erscheinung: dunkle, samtige bis wollige Kolonien; mikroskopisch mit Ulocladium verwechselbar.

Gesundheit: bedeutsames Aeroallergen, kann bei Sensibilisierten Rhinitis und Asthma mitverursachen.

Stachybotrys chartarum

Vorkommen: auf sehr feuchten, zellulosehaltigen Baustoffen (durchfeuchteter Gipskarton, Tapete, Papier) – markiert extreme, länger anhaltende Feuchte. UBA-Feuchteindikator und besonders kritisch.

Erscheinung: dunkelgrün bis schwarz, oft schmierig-feucht – die schwarze Farbe allein ist aber kein Nachweis dieser Art.

Gesundheit / Mykotoxine: siehe Abschnitt unten – eine Toxinbildung hängt stark vom Substrat ab.

Aureobasidium & Ulocladium

Aureobasidium pullulans besiedelt feuchte Tapeten und Fensterrahmen (typische Kondensatbereiche), „schwarze Hefe“. Ulocladium findet sich auf Fugen, Textilien, Papier und im Hausstaub und benötigt vergleichsweise viel Feuchte.

Gesundheit: überwiegend Allergierisiko. Beide gelten in der mykologischen Fachliteratur als Feuchtezeiger; maßgeblich für die Bewertung im Einzelfall ist der Laborbefund.

Feuchteindikatoren: Was ihr Fund bedeutet

Der UBA-Schimmelleitfaden führt Arten auf, die stark für einen Bauschaden mit anhaltender Durchfeuchtung sprechen – unter anderem Aspergillus versicolor, A. penicillioides, A. restrictus, Acremonium, Chaetomium, Phialophora, Scopulariopsis brevicaulis, Stachybotrys chartarum, Engyodontium (Tritirachium) album und Trichoderma. Werden solche Arten nachgewiesen, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine harmlose Oberflächenverunreinigung handelt, sondern um einen echten Feuchteschaden, dessen Ursache abzuklären ist.

Mykotoxine: Was gesichert ist – und was nicht

Viele Schimmelpilze können grundsätzlich Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) bilden. Ob im konkreten Innenraum tatsächlich Toxin entsteht, hängt entscheidend von Wachstumsbedingungen und Substrat ab. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts weisen die im Innenraum zu erwartenden, meist niedrigen luftgetragenen Mykotoxin-Konzentrationen keine akut-toxische Wirkung auf. Ein sicherer Beweis, dass unspezifische Beschwerden primär durch luftgetragene Mykotoxine ausgelöst werden, liegt nicht vor. UBA und WHO stützen die Bewertung deshalb nicht auf einzelne Toxine oder Arten, sondern auf das Vorliegen eines Feuchte- und Schimmelschadens als solchem. Diese Einordnung soll bewusst der verbreiteten Sorge vor einer „Vergiftung“ durch Wohnungsschimmel die überzogene Spitze nehmen, ohne den Handlungsbedarf zu relativieren.

Warum eine Ferndiagnose nicht ausreicht

Aus einem Foto lässt sich die Art nicht bestimmen und der Feuchteschaden dahinter nicht beurteilen. Ob ein kritischer Feuchteindikator vorliegt, wie weit der Befall reicht und woher die Feuchte kommt, zeigt erst die Untersuchung vor Ort – mit gezielter Probenahme und Laboranalyse, beweissicher dokumentiert.

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Einzelne Gattungen im Detail

Häufige Fragen

Ist Stachybotrys („Schwarzschimmel") gefährlicher als andere Arten?

Stachybotrys chartarum wächst nur bei sehr starker, länger anhaltender Feuchte und gilt dem UBA als besonders kritisch zu beurteilende Art und als Feuchteindikator. Das macht ihn zu einem wichtigen Warnzeichen. Für den Handlungsbedarf gilt aber wie bei jeder Art: Ein Befall im Innenraum ist unabhängig von der Art zu beseitigen. Ein dunkler Belag ist zudem nicht automatisch Stachybotrys – das klärt nur das Labor.

Kann man die Schimmelart am Aussehen erkennen?

Nein. Farbe und Struktur eines Belags erlauben keine sichere Bestimmung. Dieselbe Art kann je nach Untergrund unterschiedlich aussehen, und verschiedene Gattungen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Sicher bestimmen lässt sich die Art nur mikroskopisch und kulturell im Labor.

Was ist ein „Feuchteindikator"?

So bezeichnet der UBA-Schimmelleitfaden Schimmelarten, deren Fund stark auf einen Bauschaden mit längerer Durchfeuchtung hinweist – etwa Aspergillus versicolor, Stachybotrys chartarum oder Chaetomium. Werden sie nachgewiesen, spricht das gegen eine harmlose Oberflächenverunreinigung und für einen echten Feuchteschaden.

Sind Mykotoxine in der Wohnung ein akutes Vergiftungsrisiko?

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts weisen die im Innenraum zu erwartenden, meist niedrigen luftgetragenen Mykotoxin-Konzentrationen keine akut-toxische Wirkung auf. Ob überhaupt Toxin gebildet wird, hängt von Substrat und Bedingungen ab. Der Handlungsbedarf ergibt sich aus dem Feuchte- und Schimmelschaden selbst, nicht aus einer vermuteten Vergiftung.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Umweltbundesamt (UBA): „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“. 2017, aktualisierte Fassung 2024.
  2. Weltgesundheitsorganisation (WHO): „WHO Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould“. WHO Regionalbüro für Europa, 2009.
  3. Robert-Koch-Institut (RKI), Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin: „Schimmelpilzbelastung in Innenräumen – Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen“. Bundesgesundheitsblatt 2007; 50:1308–1323.
  4. AWMF-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“, Update 2023 (AWMF-Register-Nr. 161/001).

Es gelten jeweils die aktuellen Fassungen der genannten Quellen. Gesundheitliche Aussagen dienen der Einordnung und ersetzen keine medizinische Beratung.