Einordnung vorweg: Nach übereinstimmender Einschätzung von Weltgesundheitsorganisation (WHO), Umweltbundesamt und Robert-Koch-Institut sind Feuchte und Schimmel in Innenräumen mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Beschwerden verbunden – vor allem der Atemwege. Ein nachgewiesener Zusammenhang bedeutet aber nicht, dass jede betroffene Person zwangsläufig erkrankt. Ob und wie stark jemand reagiert, ist individuell verschieden. Die folgenden Angaben geben ausschließlich den Stand dieser öffentlichen Fachquellen wieder; sie sind keine eigene medizinische Bewertung und ersetzen keine ärztliche Abklärung.

Welche Effekte sind assoziiert – und wie stark ist die Evidenz?

Die Weltgesundheitsorganisation fasst die Studienlage in ihrer Leitlinie zu Feuchte und Schimmel so zusammen: Bewohner feuchter oder von Schimmel befallener Gebäude haben ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden, Atemwegsinfektionen und die Verschlimmerung von Asthma. Nach Stärke der Belege lässt sich unterscheiden:

Ausreichende Evidenz

Atemwegssymptome allgemein, Atemwegsinfektionen und die Verschlimmerung von bestehendem Asthma.

Hinweise / begrenzte Evidenz

Erhöhtes Risiko für allergische Rhinitis und für die Neuentstehung von Asthma – von der WHO als Hinweis, nicht als abschließend gesichert formuliert.

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Seltene Erkrankungen

Exogen-allergische Alveolitis (Hypersensitivitätspneumonitis), chronische Rhinosinusitis, allergische Pilz-Sinusitis – selten, nicht die breite Bevölkerung betreffend.

Einteilung nach der Evidenzbewertung der WHO-Leitlinie „Dampness and Mould“ (2009). Es handelt sich um die Wiedergabe der WHO-Einordnung, nicht um eine eigene medizinische Bewertung.

Für Deutschland deckt sich das mit der Bewertung der Umweltmedizin-Kommission des Robert-Koch-Instituts: Vor allem Allergiker sind durch den Aufenthalt in feuchten und/oder schimmelbelasteten Innenräumen gefährdet; ergänzend werden Menschen mit chronischen Atemwegs- und Hauterkrankungen sowie immunsupprimierte Personen genannt. Wichtig ist der Hinweis der WHO, dass nachteilige Effekte auch bei nicht-allergischen Personen gefunden wurden – die Belastung betrifft also nicht ausschließlich Allergiker.

Warum es keine Grenzwerte gibt – und was daraus folgt

🔬 Fakten-Kasten: Kein Grenzwert – deshalb Vorsorge

Es gibt bis heute keine gesundheitsbezogenen Grenzwerte für Schimmel in der Innenraumluft. Der Grund ist wissenschaftlich: Es lässt sich nicht angeben, ab welcher Konzentration welche gesundheitliche Wirkung auftritt; auch die WHO empfiehlt aus diesem Grund keine quantitativen Schwellenwerte. Daraus folgt das Vorsorgeprinzip: Schimmel im Innenraum gilt als hygienisches Problem, das beseitigt werden muss – unabhängig von Art und Farbe.

Quellen: Umweltbundesamt, „Häufige Fragen bei Schimmelbefall“ & „Schimmelleitfaden“ (2017, akt. 2024); WHO, „Dampness and Mould“ (2009).

Risikogruppen

Nach der Bewertung von WHO, Robert-Koch-Institut und der AWMF-Leitlinie (Update 2023) sind bestimmte Personengruppen gegenüber Feuchte und Schimmel im Innenraum empfindlicher oder stärker gefährdet:

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem – höchstes Risiko, insbesondere für Infektionen (z. B. nach Transplantation, bei Krebs-/Leukämie-Therapie, AIDS, Mukoviszidose).
  • Allergiker und Atopiker – von WHO und RKI als besonders empfindlich eingestuft.
  • Menschen mit chronischen Atemwegs- oder Hauterkrankungen (z. B. Asthma).

Die erhöhte Gefährdung dieser Gruppen ist auch in der AWMF-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“ (Update 2023) beschrieben. Speziell für Kinder ist ein erhöhtes Risiko für Atemwegssymptome und die Entwicklung von Asthma beim Wohnen in feuchten, schimmelbelasteten Räumen dokumentiert (WHO).

Wie Schimmel wirkt: gesichert und umstritten

Nach RKI und AWMF weitgehend gesichert: Eingeatmete Sporen und Zellbestandteile können allergische und reizende Reaktionen auslösen; allergische Sensibilisierungen sind ein anerkannter Mechanismus. Bei stark immungeschwächten Personen können thermotolerante Arten wie Aspergillus fumigatus in seltenen Fällen Infektionen verursachen – für Gesunde ist dieses Risiko im Wohnumfeld nach dieser Bewertung nicht relevant.

Laut UBA und RKI umstritten bzw. nicht ausreichend belegt: Für luftgetragene Mykotoxine im Innenraum liegt außerhalb hoch belasteter Arbeitsplätze kein gesichertes Wissen über Vergiftungen vor; die zu erwartenden Konzentrationen weisen voraussichtlich keine akut-toxische Wirkung auf. MVOC (der typische muffige Geruch) sind ein nützlicher Indikator für möglichen Befall, gesundheitlich aber nicht sicher zu bewerten. Diese Aussagen sollen die verbreitete Angst vor „Vergiftung“ nicht befeuern, ohne den Handlungsbedarf zu relativieren.

🩺 Bei Beschwerden: ärztlich abklären

Nach aktuellem Wissensstand lassen sich weder Schimmelpilz-Allergien noch Mykotoxine „im Körper“ pauschal zuverlässig nachweisen. Bestehende Beschwerden gehören individuell in ärztliche Hand. Diese Seite dient der Einordnung, nicht der Diagnose.

Warum eine Ferndiagnose nicht ausreicht

Gesundheitliche Sorge ist ein berechtigter Anlass, genauer hinzusehen. Ob und in welchem Umfang eine Innenraumquelle vorliegt, lässt sich aber nicht aus der Ferne beurteilen. Die fachkundige Untersuchung vor Ort klärt Ursache und Ausmaß beweissicher – die Grundlage, um gezielt und verhältnismäßig zu handeln.

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Häufige Fragen

Macht Schimmel in der Wohnung zwangsläufig krank?

Nein. Es gibt einen belegten Zusammenhang zwischen Feuchte/Schimmel und Atemwegsbeschwerden, aber daraus folgt keine zwangsläufige Erkrankung im Einzelfall. Ob jemand reagiert, hängt von individuellen Faktoren ab. Weil sich keine unbedenkliche Konzentration angeben lässt, sollte Schimmel aus Vorsorgegründen dennoch beseitigt werden.

Warum gibt es keinen Grenzwert für Schimmel in der Luft?

Weil sich wissenschaftlich nicht festlegen lässt, ab welcher Konzentration welche gesundheitliche Wirkung eintritt. Aus demselben Grund empfiehlt auch die WHO keine quantitativen Schwellenwerte. Deshalb gilt das Vorsorgeprinzip: Ein Befall wird unabhängig von der Art beseitigt.

Ist der „muffige Geruch" (MVOC) gesundheitsschädlich?

MVOC sind vor allem ein Indikator, der auf möglichen – auch verdeckten – Befall hinweisen kann. Gesundheitlich sind die niedrigen Innenraumkonzentrationen nicht sicher zu bewerten; irritative oder toxische Wirkungen gelten als eher unwahrscheinlich. Der Geruch ist ein Grund, der Ursache fachkundig nachzugehen.

Ich habe Beschwerden und vermute Schimmel – was tun?

Zwei Wege parallel: die gesundheitliche Seite ärztlich abklären lassen und die Wohnung fachkundig auf Ursache und Ausmaß untersuchen lassen. Selbsttests „im Körper“ auf Schimmel oder Mykotoxine sind nach aktuellem Wissensstand nicht zuverlässig.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): „WHO Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould“. WHO Regionalbüro für Europa, 2009.
  2. Umweltbundesamt (UBA): „Häufige Fragen bei Schimmelbefall“ sowie „Schimmelleitfaden“ (2017, akt. 2024).
  3. Robert-Koch-Institut (RKI), Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin: „Schimmelpilzbelastung in Innenräumen – Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen“. Bundesgesundheitsblatt 2007; 50:1308–1323.
  4. AWMF-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“, Update 2023 (AWMF-Register-Nr. 161/001).

Es gelten jeweils die aktuellen Fassungen der genannten Quellen. Gesundheitliche Aussagen dienen der Einordnung und ersetzen keine medizinische Beratung.